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Berufsunfähig kann jeder werden

Einer noch immer weit verbreiteten Meinung zufolge kann man nicht berufsunfähig werden, wenn man im Büro arbeitet. „Diese Einschätzung trifft definitiv nicht zu“, erklärt Philip Wenzel, Chefredakteur des Informationsportals worksurance.de. Berufsunfähig sei demnach, wer für sechs Monate aus gesundheitlichen Gründen nur noch zur Hälfte arbeiten könne. „Auch jemand, der am Schreibtisch tätig ist, kann wegen einer Verletzung für mehrere Monate eine Reha-Maßnahme benötigen“, so Wenzel. Allerdings hätten Personen, die ausschließlich im Büro arbeiten, ein geringeres Berufsunfähigkeitsrisiko und müssten daher weniger Beitrag für eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlen.

Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses ist nicht entscheidend

Ein Uhrmacher etwa ist schon mit einem leichten Zittern berufsunfähig und der Koch, wenn er den Geschmackssinn verliert. Wer dagegen im Büro arbeitet, kann in beiden Fällen noch ohne Probleme die PC-Tastatur und ein Telefon bedienen, er wäre also nicht berufsunfähig. „Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist für Handwerker nicht deshalb teurer, weil das Verletzungsrisiko im Beruf höher wäre, sondern weil bei körperlichen Berufen oft auch schon kleinere körperliche Einschränkungen zur Berufsunfähigkeit führen können“, erklärt Wenzel. Schwere Krankheiten wie Krebs, schwere Unfälle, die eine langwierige Reha nach sich ziehen und vor allem psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out führen dagegen in jedem Beruf zumindest vorübergehend zu einer Berufsunfähigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt, ist ohnehin nicht die richtige Entscheidungsgrundlage: „Eine Versicherung ist nur dann sinnvoll, wenn das versicherte Risiko in der Lage ist, mich finanziell zu ruinieren“, so Wenzel. Wer sich ein neues Handy leisten kann, wenn es kaputt geht, muss es nicht versichern, auch wenn dieser Fall recht häufig eintritt. Ein Haus dagegen sollte man gegen Feuer versichern, auch wenn dieser Schaden viel seltener vorkommt. Hier kann man sich eben nicht mal schnell ein neues leisten.

Ausfall des Arbeitseinkommens geht an die Existenz

Beim Thema Berufsunfähigkeit geht es also darum, wie schlimm es für die Person und seine Familie ist, wenn der Fall eintritt. Die meisten Menschen leben von ihrem Arbeitseinkommen und könnten sich einen Ausfall aus gesundheitlichen Gründen nicht leisten. „Auf die Berufsunfähigkeitsversicherung kann eigentlich nur verzichten, wer von Mieteinnahmen oder Aktiengewinnen leben oder sich selbst mit Nahrung aus dem Garten versorgen kann“, spitzt Wenzel es zu. Und selbst da brauchen Letztere eine Versicherung, die dann leistet, wenn sie nicht mehr säen und ernten können. +++ djd